Roman

Der unendliche Roman (monatlich ein neues Kapitel)


2 – Masse, Macht und Samba in Südamerika


Nach dem ich in Südamerika mit meinem Filmprojekt „Fritz der Caldo“ pleite gegangen war (ein Film in dem Mario Adorf von Indios gezwungen wurde, einen Berg über ein Schiff zu ziehen, das wiederum hatte mir ein dreibeiniger Hund befohlen – nur zur Erinnerung), gründete ich  auf dem Amazonas ein Reisebüro. Motto: „He! Humbold! I kumm bold“. Zielgruppe: deutsche Geographie-Lehrer und Daniel-Kehlmann-Fans. Dummerweise gibt es von beiden recht wenige in Amazonien.
Mein nächstes Geschäftsmodell „Amazonen für Amazonien“, bei dem ich versuchte frauenbewegte Damen aus der Mittelschicht gegen die Herausgabe ihrer linken Brust zu Bogenschützen auszubilden, schlug ebenso fehl. Man unterstellte mir, ich sei weniger an Sport, dafür mehr an Brüsten interessiert.
Ich machte auf Schavan und Guttenberg, tat zerknirscht, sah mich am Ende meiner Kräfte, vollzog einen wichtigen Schritt und trat zurück.
Dummerweise stand ich am Flussufer und landete im Amazonas.
Plötzlich umringt von Giftschlangen und Piranhias erinnerte ich mich an Maos Bad im gelben Fluss. Und dachte mir: Ja, so würde man mich auch sehen! Ein kraftvoller Führer seines Volkes, der sich den Gewalten des größten Flusses des Landes aussetzt und dabei von seinen Parteifreunden beklatscht wird.
Freilich hatte ich keine Partei, das war nicht mein Land, ich nicht der Führer desselbigen und ich gab auch kein kraftvolles Bild im Wasser ab, sondern eher die Paraodie einer wasserscheuen Nacktkatze, die verzweifelt und wild um sich schlagend versucht aus der Badewanne zu entfliehen. Glücklicherweise biss mich just in diesem Moment ein Piranhia in meine Testikel und der Schmerz lies mich in einer Mischung aus Felix Baumgartner und Justin Bieber aus dem Wasser zischen.
Baumgartner der großen Höhe wegen (immerhin kratzte ich bei meinem Sprung aus dem Wasser an der Stratosphäre) und Justin Biber wegen den Geräuschen, die ich währenddessen von mir gab. Und da hieß es immer die Biber sterben aus.
Wieder zurück – nach einer unsanften Landung auf einem Meterhohen Kostüm einer Samba-Königin während des Karnevals in Rio, wobei ein Trommler zu Tode kam – floh ich mit ihr (der Samba-Königin) zusammen durch das Straßengewirr der Stadt mit dem Zuckerhut. Ich erzählte ihr, ich wäre ein filmproduzierender Reiseveranstalter der Brüste sammeln würde, um eine Diktatur des Volkes rund um den Amazonas zu errichten.
Sie sagte, entweder wäre ich verrückt, oder eben ein typischer Österreicher.
Dann aber schilderte sie mir, wie der Direktor der Sambaschule sie gezwungen hätte an diesem entwürdigenden Spektakel mitzumachen. Er hatte nämlich die Schulden ihres Vaters, der ein kleiner Bauer im Landesinneren war, von einem internationalen Lebensmittelkonzern, der mit gentechnisch verseuchten Saatgut die Landbevölkerung sowohl systhematisch ausbeutete, als auch verdrängte, gekauft. Allfälliger Widerstand gegen den Multi wurde blutig unterdrückt und Gegnern sogar die Zungen abgeschnitten. Sie konnte daher nur ihren Vater retten, indem Sie Sklavin des Sambaschulenbesitzers wurde. Doch ich hätte ihn bei meinem Sturz getötet (das war anscheinend der Trommler). Sie wäre nun frei, ich wäre ihr Held und könne jetzt alles von ihr haben.
Ich sagte nur, sie solle mich in Ruhe lassen mit diesen linken Ammenmärchen und ihrer Sozial-Romantik und lies sie am Strand, an den der Atlantik sanft seine Wellen spühlte, wo plötzlich zarte Rumba-Klaänge ertönten und sich die Sonne in einem blutroten Sonnenuntergang erging, einfach in ihrem knappen Bikini stehen und ging zu McDonalds.
Dort dachte ich bei einem Rio-Burger mit Cheese, Tomate, extra Mayonaise und Bauernzunge nach. Das brachte nichts.
Aber immerhin konnte ich nach diesem Burger fliessend Portugiesisch sprechen.


(09.02.2013 © Severin Groebner)



Der unendliche Roman (monatlich ein neues Kapitel)


1 – Das unfertige Filmscript


Nach der Betrachtung des Polansky Films „Die neun Pforten“ ist mir spontan die österreichische Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ eingefallen und ich habe daher beschlossen ein Remake des Polanski-Films in Angriff zu nehmen mit dem Titel „Die neun Pfoten“. 
Darin sollten drei dreibeinige Hunde die kryptische Hauptrolle spielen,  während Johnny Depp versucht die jeweils fehlenden Haxen zu finden. Als er sie endlich findet und in einem irischen Landsitz um Mitternacht zu einem Dreieck formt, verwandeln sich die drei Hunde in Athos, Portos und Aramis, denen jeweils ein Arm fehlt. 
Hier wird es ein wenig Überzeugungsarbeit bei den „Vier Pfoten“ brauchen, um denen klar zu machen, daß auch Musketiere Tiere sind.
Johnny Depp selbst wird von Leonardo die Caprio gespielt, der wiederum D’Artangnan ist und spätestens jetzt kann man auch eine Rolle für Sean Connery hineinschreiben. Der könnte beispielsweise Merlin sein. Zauberer gehen immer. 
Merlin, D’Artagnan und die drei Musketiere machen sich also auf die Suche nach dem heiligen Gral und einer günstigen Privatvorsorge. Ihr Gegenspieler ist – damit sich auch das deutsche Publikum historisch wiedererkennen kann – Parzival. Weil aber den keiner kennt, nehmen wir Hitler, der geht immer. Den Sponsor „Vier Pfoten“ werde ich mit dem Verweis auf Hitlers Verdienste um den Tierschutz beruhigen. Obendrein war er Vegetarier. Schließlich steckt in jedem „Vegetarier“ auch „Arier“. 
Egal, gekauft, Hitler wird dargestellt von Heiner Lauterbach, alle anderen haben ihren Hitler nämlich schonmal gegeben. Also Merlin, D’Artagnan und die drei Musketiere suchen im Wettlauf mit Hitler und Attila dem Hunnenkönig (dargestellt von Veronika Verres) den Heiligen Gral, die beste Privatvorsorge und Deutschlands schlauesten Anlagebetrüger. Und zwar alle am Mont Serrat.
Tief im Berg kommt es schließlich zum Showdown. Als alle Beteiligten sich in einer Höhle ohne Licht und Ausweg gefangen wiederfinden, geht plötzlich das Licht an und wir befinden uns in einer RTL-Show mit dem Titel: 
„Deutschland sucht den Supertuperdingsbumstralalalaaberdufteamwertstoffhof“. 
Die Jury, die ausschließlich aus Hochwasser-Opfern und Wetten-Daß-Überlebenden besteht, die gerade Dieter Bohlen verspeißen, decken gandenlos auf, daß die Musketiere früher dreibeinige Hunde waren, was diese vehement von sich weisen, während sie sich mit dem Fuss hinter dem rechten Ohr kratzen. Weiters enthüllen sie die islamistischen Machenschaften von Merlin, der mit seinen Zaubersprüchen versucht unsere Lebensart anzugreifen, worauf er sofort zu lebenslanger Gebissreinigungsreklame verurteilt wird. D’Artagnan, der Leonardo die Caprio ist, der eigentlich Johnny Depp ist, flieht mit einem Hechtsprung durchs Fenster. Das war aber leider nur aufgemalt, sodaß er sich lediglich an der Felswand selbst k.o. schlägt.
Adolf Hitler beginnt ungefragt mit der Lesung der Heiner Lauterbach Biographie „Ich hab nichts ausgelassen… und wenn, kann ich mich nicht daran erinnern“, und wirkt plötzlich irgendwie fast schon so sympathisch wie Pol Pott. Der Diktator – nicht der Sänger. Übrig bleibt Veronika Ferres und die weiß auch, wer Deutschlands schlauester Anlagebetrüger ist, schließlich ist sie ja mit dem zusammen.
Tusch! Ende.
Zum Schluß fliegt der Mont Serrrat noch in die Luft, weil die drei Musketiere es nicht lassen konnten ihre Fürze anzuzünden.
Die Klagen von Polanski und den Vier-Pfoten erreichen mich nicht, weil ich mich mitsamt des 800 Millionen Filmbudgets längst nach Südamerika abgesetzt habe, wo ich gerade „Fritz der Caldo“ drehe. Eine Hommage an irgendwen und ein Film, in dem Mario Adorf von Eingeborenen gezwungen wird einen Berg über ein Schiff zu ziehen.
Fragen Sie mich nicht warum, das hat mir ein dreibeiniger Hund befohlen….



01/2013 © Severin Groebner



Newsletter abonnieren


Bitte geben Sie Ihre E-mail Adresse ein: