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Der neue Glossenhauer

Waffen? Ruhe!

11. Juni 2026

Wer wissen will, was im 21. Jahrhundert der Begriff „brüchige Waffenruhe“ bedeutet, der möge einen Blick in den Nahen Osten werfen. Da bombardiert man sich gegenseitig die Schädel, Häuser, Infrastruktur und Zivilbevölkerung weg und wenn sich die Rauchschwaden verzogen haben, tauchen die Damen und Herren von der internationalen, medialen Korrespondenz auf und berichten vor zusammenbrechenden Gebäuden, explodierenden Gasleitungen und weinenden Menschen von einer „brüchigen Waffenruhe“.

Naja, so ist das eben wenn religiöse Faschisten aus dem Iran mit religiösen Faschisten aus dem Libanon gegen religiöse Faschisten in der israelischen Regierung in Zusammenarbeit mit religiösen Faschisten in der US-Administration Krieg führen.

Oder umgekehrt.
Was letztlich egal ist, denn Faschisten können auf den Seiten bekanntlich nichts anderes als Krieg und Gewalt verbreiten. Und das Alleinstellungsmerkmal von Religion wiederum ist der Besitz der absoluten Wahrheit.
Eine großartige Kombination.

Deshalb sind auch Verhandlungen von religiösen Faschisten mit religiösen Faschisten stets von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt und von Friedenswillen getragen.

Gottseidank hat das alles keine Auswirkung auf unsere Wirtschaft.
Wobei ich nie genau weiß, wo das „unsere“ in der Wirtschaft liegt. Ein Blick auf die deutsche Wirtschaftsministerin Reiche und ihren Nachnamen lässt einen ja schon ahnen, für wen hier Politik gemacht wird. Und wenn sich dann Ende Mai auf Einladung der Hayek-Gesellschaft Wirtschaftsweisen der deutschen Bundesregierung mit rechts-rechten Schlechtmenschen von diesseits und jenseits des Atlantik treffen, dann fällt einem doch der alte Spruch ein: Wes Brot ich esse, des Lied ich sing.
Und was singen sie? Genau: Wirtschaftsweisen.

Da fühl ich mich - zusammen mit mindestens 90 Prozent der Bevölkerung - wirtschaftlich nicht repräsentiert.
Ausgestoßen. Weggelegt. Wir sind quasi die Wirtschaftswaisen. 
Und das alles nur, weil wir keine so tolle Lobby haben.
Erstens weil wir keine Hotelbesitzer sind und zweitens nicht im internationalen Fussball mitmischen.

Fussball? Wer es nicht kennt - und es ist ja auch ziemlich unkenntlich geworden - Fussball, das ist eine Korruptionsvermarktungsmaschine, die früher mal eine Sportart war. Ja, wo einst mal „gekickt“ wurde, werden heute TV-Rechte verscherbelt und „Friedenspreise“ vergeben? An wen? Am liebsten an religiöse Faschisten. Das sind einfach sehr gute Geschäftspartner.

Sieht man ja auch daran, wo die letzten Fussball-Weltmeisterschaften der Herren stattgefunden haben:
Katar - Monarchie ohne Pressefreiheit, aber mit Klimaanlagen.
Davor: Russland - Diktatur ohne freie Oppositionelle, aber mit Spezialoperationen.

Wer nicht weiß, was Spezialoperationen sind: Das ist das russische Wort für „brüchige Waffenruhe“. Oder sagen wir so: Die Spezialoperation hat mit Frieden soviel zu tun, wie die WM mit Sport. Bei beiden steht das wirtschaftliche Interesse im Zentrum des Handelns.

Wie genau das abläuft ist zwar unterschiedlich, aber der Österreicher Friedrich August von Hayek hätte das sicherlich gut erklären können. Immerhin war der Mann gut Freund mit Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Auguste Pinochet (alles sehr, sehr friedliche Menschen), und hatte die spanische Grippe überlebt. Im Gegensatz zu z.B. Egon Schiele.
Womit klar wäre, dass auch Viren manchmal nur dumme Sackgesichter sind, die gerne mal die falschen verschonen.

Das große Problem mit Spezialoperationen aber - wie auch mit den brüchigen Waffenruhen - ist ja nicht wie man sie beginnt (nein, das kann jeder religiöse Faschist im Handumdrehen), sondern wie man sie beendet.

Dazu braucht man nämlich nicht nur Verständnis für die Sinnlosigkeit der Fortsetzung (was schon schwierig genug herzustellen ist, schließlich hätte man ja schon von Anfang an Verständnis für die Sinnlosigkeit des Beginns der ganzen Aktion haben können… aber wir reden ja von religiösen Faschisten und die können gut Krieg machen und Recht haben. Gut Verständnis haben gehört eher nicht zu deren Portfolio.), sondern - ja, ja dieser Satz ist noch nicht zu Ende, da geht sich noch Einschub im Nebensatz aus, der den Lesefluss strapaziert wie eine See-Blockade die Weltwirtschaft - man braucht ja auch für die Beendigung ihrer speziellen waffenoperativen Brüchigkeit Gespräche.

Und für die Gespräche braucht man Vermittler.
Und wer redet schon gerne mit religiösen Faschisten?
Die zertreten das Mikrofon, wenn man ihnen nachweist, dass sie unrecht haben - wie der Amerikaner - oder bauen über Jahre und Jahrzehnte ein Terrorsystem auf - wie der Russe - mit einem einzigen Ziel: Dass Ihnen niemand mehr widerspricht.

Und dann soll man plötzlich mit denen reden?
Unangenehmer Job.

Dazu eignen sich natürlich extrem senile deutsche Exkanzler. Erstens weil die gar nichts mehr checken, zweitens weil sie Geld von russischen religiösen Faschisten bekommen (singen also sehr schön Wirtschaftsweisen) und drittens weil sie aus Niedersachsen kommen, das eines jener deutschen Bundesländer ist, das landschaftlich gut auch in Westsibirien liegen könnte.

Aber gäbe es nicht bessere Kandidaten?
Eine deutsche Exkanzlerin etwa? Die könnte ja wenigstens russisch. Was ja angeblich nicht so schlecht sein soll, wenn man mit Russen verhandeln muss.
Oder Udo Lindenberg? Der Mann hat gerade mühsam seinen 80er überstanden (Geburtstagsgrüße und Genesungswünsche gehen hiermit raus), hat aber schon Erfahrungen mit halsstarrigen Diktatoren in den 80ern (nicht seinen, sondern in denen des letzten Jahrhunderts) gesammelt (gell, Erich?).
Oder Helene Fischer? Die würde die Vorteile der beiden vorigen vereinigen.
Trägt eine sowjetische Kindheit mit sich rum, kann sogar russische Lieder singen und besitzt durch die Jahre im Showgeschäft vermutlich Durchhaltevermögen bei langen nächtlichen Verhandlungen (Stichwort: „Atemlos durch die Nacht“).

Fehlt nur noch die Einsicht auf russischer Seite, dass man überhaupt verhandeln sollte.

Und im Nahen Osten, also mittleren Osten, wie man auch sagt, also in Vorderasien, genauer gesagt Südwestasien, um das mal wertfrei auszudrücken, bräuchte man natürlich auch noch wen.

Denn da geht es nicht nur um Krieg, sondern auch noch vielmehr um Wirtschaft.
Wer könnte hier vermitteln? Wer kann gut mit Diktatoren? Wer spricht ihre Sprache? Wer weiß, wie sie ticken? Wer könnte das sein? Nur einer: Gianni Infantino.

Warum der? Weil für den die Welt ein Fussball ist, auf den man drauf treten kann, damit Geld raus kommt.
Und natürlich weil Friedrich August von Hayek schon tot ist.
Der ruht in Frieden. Anders als die Waffen.
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