Severin Groebner auf twitterSeverin Groebner auf facebookSeverin Groebner auf instagramSeverin Groebner auf YouTube Severin Groebners Newsletter
Groebners neuer Glossenhauer
Der neue Glossenhauer

Heißer Scheiß

29. Juli 2026

„Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, dann mach Limonade daraus!“, so geht ein häufig zitierter Spruch von Menschen, die nicht wissen, wie man Zitronenkuchen macht. Oder Limoncello. Oder Linguine a la Sophia Loren. Die serviert man nämlich mit einer Zitronen-Butter-Sauce, die köstlich ist. Aber jetzt gerade kann man das nicht essen. Denn es ist dafür: zu heiß.

Also wenn dir das Leben Hitze gibt, dann mach - was? - daraus?
Einen Wäschetrockner? Eine Spiegelei-Braterei, auf den still vor sich hinglühenden Autos?
Oder eine Eigen-Schweiß-Therapie?

Das dürfte ja noch erlaubt sein. Die Eigenbluttherapie dagegen - so hat es der Bundesverfassungsgerichtshof in Deutschland gerade festgestellt - bleibt Heilpraktikern, Wundtheoretikern, Reichsschamanen und anderen Akrobaten der Unwissenschaftlichkeit verboten. Denn das Hantieren mit dem roten Saft bleibt Ärzten vorbehalten.

Aber es gäbe ja auch noch andere Körpersäfte, die man zu unmedizinischen Menschenversuchen heranziehen könnte. Neben dem erwähnten Schweiß, gäbe es freilich noch die Eigenurintherapie (bereits sehr erfolgreich in der Geschichte der Schifffahrt von Schiffbrüchigen angewandt) oder die Eigentränentherapie. Kann jeder beim Zwiebel schneiden mal ausprobieren.

Wer aber auf das Blut aus therapeutischen Gründen nicht verzichten will, dem sei gesagt: Fremdblut-Therapie ist immer noch erlaubt!

Sogar Arten-übergreifend. Nennt sich „Blutwurst“ und ist bei diesem Wetter nicht zu empfehlen. Denn es ist dafür: zu heiß.

Was macht man also bei diesen Temperaturen?
„Gibt Dir das Leben eine Hitze-Welle/
Dann mach Dein Gemüt mit Witze helle!“
Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten jetzt den echt „heißen Scheiß“ zu machen.
(Ja, das war jetzt ein schlechter Wortwitz, aber keine Angst, es wird jetzt nicht der letzte sein.)

Wenn etwa der Pegelstand Deines örtlichen Lieblingsflusses (Rhein, Main, Donau, etc… egal) sich einem rekordverdächtigen 500jährigen Niedrigst-Stand nähert, dann auf keinen Fall über Klimapolitik nachdenken. Nein, lieber eine Flussdurchquerung auf Instagram posten.
Brauchte man für die noch vor Wochen sportliche Fähigkeiten (Schwimmen z.B.), Ausdauer und vielleicht sogar einen Neopren-Anzug, reicht jetzt eine kurze Hose und Badeschlapfen.
Und schon ist man am anderen Ufer angekommen. Und zwar so wie der Weißwein bei diesen Temperaturen wird: halbtrocken.

Was aber tun, wenn Du in Frankreich oder Spanien oder Portugal oder Korsika oder Griechenland oder sonst wo in Südeuropa bist (Tirol ist mit gemeint) und die Wälder brennen so sehr, dass der Campingplatz, auf dem Du urlaubst, geschlossen werden muß?
Einfach ins nächste Hotel und die Klimaanlage voll aufdrehen. Danach ins Pool. Anschließend ein Bier. Und dann holst Du mal die Kinder aus dem Auto, das Du vor dem Campingplatz in der Sonne abgestellt hast. Oder das, was von Ihnen noch übrig ist.
Aber schließlich liebst Du deinen Verbrenner schon mehr als Deinen Nachwuchs, sonst wärst Du ja schon vor Jahren auf ein anderes Verkehrsmittel umgestiegen.

Apropos Auto:
Wenn Du draufkommst, dass Dein Lieblingsfamilienmitglied (nein, nicht der Hund, sondern: Das Auto) bei diesen Temperaturen nicht mehr fahrbereit ist, weil die Reifen wegschmelzen oder das Wasser für die Kühlung nicht mehr ausreicht, und obendrein die Flammen immer näher kommen…
… dann spring einfach auf eins der fliehenden Wildtiere und entdecke Deinen Urlaubsort ganz neu. Mit einem Ritt auf einem vor dem Waldbrand Reiss-aus-nehmenden Wildschwein, Reh oder Wiesel wirst Du in Gegenden kommen, wo es Dein SUV niemals hingeschafft hätte, weil er bei der ersten brennenden Pinie schon hängen geblieben wäre.

Gemeinsam mit der rennenden Fauna durch die brennenden Flora kannst Du dann noch darüber nachdenken, ob es jetzt nicht doch die beste Gelegenheit ist, in ein Weingut in der Gegend zu investieren. Asche soll ja ein ausgezeichneter Dünger sein. Klingt zynisch, faktisch ist es aber so: Bei Waldbränden sind Opportunisten im Vorteil, denn wer sein Fähnchen in den Wind hängt, weiß früher, wo es brennt.

Bist Du aber zuhause geblieben, ist eins wichtig: kein Wort über Klimapolitik.
Oder gar über die Mobilitätswende. Schon gar nicht in Deutschland. Oder Österreich. Oder sonstwo, wo alte Männer in brumm-brumm-tucker-tucker Karren die Meinungsmacher stellen.

Denn auch wenn niemand - egal ob nationaler oder religiöser Faschist - es schaffen könnte, mit einem Lastenfahrrad einen Terroranschlag zu verüben, darf das Automobil als Verkehrsmittel angezweifelt werden! Niemals!

Denn es ist als Projektionsfläche, wie auch als Projektil ein echtes Dual-Use-Produkt.

Nein, lieber die Hitzewelle dazu nutzen in den sozialen Medien herumzuhängen, Verschwörungstheorien mit Siegheilpraktikern teilen und schnell noch Freundschaft mit Dänen, Schweden und Norwegern schließen. Denn dort ist es vielleicht nicht: so heiß.

Aber es gibt Hoffnung: Island denkt gerade darüber nach, ob es der EU beitreten soll.
Sollte das nicht klappen, wird wohl die EU Island beitreten. In der Erwartung, dass dann in ganz Europa die Durchschnittstemperaturen runter gehen. Ja, Statistik ist einfach was schönes.

Und wir haben dann alle im Sommer ein Ausweichquartier im hohen Norden. Und zwar solange… bis dort wieder ein Vulkan ausbricht.

Und wenn Dir das Leben einen Vulkanausbruch gibt, dann…
… mach ein Pompeji daraus.

Oder so. Ich weiß ja auch nicht.
Denn mir ist einfach: zu heiß.
Hier die jüngsten Ausgaben

Alle Ausgaben