Der neue Glossenhauer
Diesmal möchte ich über ein heißes Thema schreiben.
Nein, nicht über die Hitze. Nicht schon wieder. Hab ich schon zweimal gemacht.
Und obendrein machen das gerade alle.
Alle, die in den letzten Jahrzehnten nur über so Zeug aus der Fantasy-Abteilung des Kapitalismus geschrieben haben, also „Wirtschaftswachstum“, „Umfragewerte“, „Zugfahrpläne“ oder gar „Ölpreis“, kurz gesagt lauter Dinge, die nicht wirklich greifbar sind, und dabei die herauf dräuende, ganz reale Klimakrise ignoriert haben, die schreiben jetzt über Hitze. Und was man jetzt dagegen tun könnte?
Spoiler: Jetzt? Gar nichts.
Vor zwanzig, dreissig Jahren hätte man.
Jetzt könnte man dagegen etwas gegen die Hungersnot in dreissig Jahren tun.
Aber dieses langfristige und kausale Denken… das liegt nicht jedem.
Schon gar nicht bei der Hitze.
Denn die ist sehr konkret.
Gut, Hitze kann man jetzt auch nicht konkret anfassen, aber sie ist unmittelbar absolut spürbar. 300 000 sind vor Waldbränden allein in Frankreich auf der Flucht. Zu Recht. Denn Hitze bringt Menschen um.
In Deutschland dieses Jahr bis jetzt mindestens 10 000 Leute.
Das ist etwa die Gesamtbevölkerung von Attnang-Puchheim. Oder alle Menschen, die in Mießbach in Oberbayern wohnen. Oder die gesamte Einwohnerschaft von Gernsheim am Rhein.
Gut, jetzt kann man natürlich sagen: „Was interessieren mich diese Attnangistischen Haimpuchner? Wen kümmert der miese Bach, der miese? Und die können mich gerns haben ihrem Heim!“ Das können sich alle denken. Alle…bis auf die Leute, die da eben wohnen. Die nehmen nämlich so eine letale Auslöschung dann doch recht persönlich.
Überhaupt kann man davon ausgehen, dass Tote grundsätzlich doch lieber noch am Leben wären. Was wiederum ein völlig neues Licht auf sämtliche Zombie-Filme der letzten 100 Jahre wirft. Vielleicht sind diese herum wackelnden, schlecht artikulierenden und stets in Gruppen auftretenden Wiedergänger einfach eine politische Bewegung? Tote, die gegen ihren leblosen Zustand protestieren? Ein radikaler Aufstand von - im Wortsinn - ganz unten?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich hab keine Ahnung.
Aber mit Toten hat mein heißes Thema auch zu tun. Es lautet: Wie macht man eigentlich Anschläge?
Also nicht Anschläge auf der Tastatur.
Denn die heißen heute nicht mehr so. Man sagt jetzt dazu: Zeichen (mit Leerzeichen). Früher lautete die Frage: „Wieviele Anschläge?“. Kann man heute nicht mehr fragen, weil sonst alle glauben, man möchte im Namen der Redaktion terroristische Akte verüben.
Ach so… „Redaktion“ muss ich vielleicht für die jüngeren Leserinnen und Leser erklären. Das ist eine Gruppe von - hoffentlich kompetenten - Medienmenschen, die sich um Inhalt und Korrektheit des Publizierten kümmern.
Korrektheit? Das ist das Gegenteil von Fake News.
Und Inhalt? So hieß früher „Content“. Nur war er länger, interessanter, (manchmal) weniger Effekt haschend und - und das wird jetzt alle Leserinnen und Leser unter dreissig gleich die Tränen in die Augen treiben - er wurde auch bezahlt.
Ja! Wirklich! Es gab also Kohle dafür. Und zwar egal, ob der Inhalt gut war oder schlecht oder wieviele Leute drauf geschaut haben.
Es gab einfach Geld dafür, dass der „freie Mitarbeiter“ (heute: Content-Creator) gearbeitet hatte. Was für eine verrückte Welt das war: Geld für Arbeit!
Wenn das die Halter der modernen digitalen Sklaven hören.
Oder gar die freiwilligen Selbstausbeuter auf den gar nicht sozialen Medien.
Die kennen sowas gar nicht, die müssen heute alles immer nur „monetarisieren“.
Und das heißt nicht, dass sie so malen können müssen wie ein französischer Impressionist.
Nein, denn das macht ja für sie die K.I..
Und K.I. wiederum steht nicht für „kreative Intuition“, sondern für „kaufmännische Invasion“. Also die digitalisierte Attacke des Kapitalismus auf alle Lebensbereiche.
Aber lassen wir das.
Wer will denn das auch Lesen, dieses Geschwafel über „früher“ von einem alten, weißen Mann. „Langweilig!“, gähnen da die Jungen einem entgegen „Opa, erzählt schon wieder vom Frieden!“ Sowas sagen sie. Zu recht. Und ihre Klassenkameradinnen und -kameraden (und das ist hier nicht schulisch, sondern soziologisch gemeint) ergänzen: „Und von gesicherten Arbeitsverhältnissen! Echt boring!“
Deshalb zurück zu den thrilling Thoughts. Zurück zu dem, was uns wirklich kickt, das was Klicks bringt: Wie macht man Anschläge?
Sie häufen sich ja zur Zeit. So sehr, dass es gerade eine gute Gelegenheit ist, sie zu vergleichen.
Gut, natürlich könnte man sich vorher auch fragen, warum überhaupt welche begangen werden?
Aber das ist ja zur Zeit kein großes Problem. Denn so ein Anschlag ist ja eigentlich nur Gewalt. Und Gewaltausübung ist wie Alkoholkonsum: Dafür findet sich immer ein Grund.
Meistens sind es sogar dieselben Gründe: Sexuelle Frustration, Probleme in der Familie, Spaß am eigenen Untergang, Langeweile oder weil die eigene Religionsgemeinschaft, die eigene Nation, in die man per Zufall hinein geboren wurde, der eigene Fussballklub oder eine Stimme in Deinem Kopf, Dir das befohlen hat. Dabei weiß man ja oft nicht, woher die kommen, diese Stimmen.
Manchmal schon. Da kommen die Stimmen aus Kopfhörern. Denn wie sagt der Schüttelreimer?
Ein jeder Kot passt/ heut’ in einen Podcast.
Schließlich wird der Ideologie-Markt gerade überschwemmt von Nobrain-Anbietern in Wort und Bild, die den ungefestigtsten Gemütern unter uns (meist männlich, jung, orientierungslos, intellektualitätsfeindlich, aber gewaltfreundlich) ein Angebot machen, das die zwar ablehnen könnten, es aber nicht so gerne tun.
Kurz gesagt: Also ein fadenscheiniges „Warum“ für einen Anschlag lässt sich so leicht finden, wie Abends um halb acht ein Dosenbier besorgen.
Also wie macht man einen Anschlag? Ganz einfach: man fügt einfach irgendjemandem, den man nicht persönlich kennt, Schmerzen zu. Einfach so, tralalala, weil diesem Unbekannten sein oder ihr Tun oder Sein, nicht ins eigene Weltbild passt.
Denn da hinterfragt man nicht sein Weltbild, ob das vielleicht fehlerhaft ist, nein man möchte jetzt mit Gewalt die Welt ans eigene Bild anpassen.
Das ist also ungefähr so, wie wenn man gerade „Titanic“ auf dem hauseigenen Flatscreen schaut (flat deshalb, weil das das Niveau des Gezeigten beschreibt) also man schaut gerade Leonardo die Caprio zu, wie er im Meer versinkt, und damit das Wohnzimmer dazu passt, setzt man es unter Wasser.
Der Vergleich hinkt natürlich. Nicht nur, weil das ein Anschlag auf die Bausubstanz wäre und bald den Menschen auf den Plan treten lassen würde, der unter einem wohnt, sondern weil es normalerweise schon länger dauert, als nur einen Wasserhahn aufzudrehen. Bis man sich selbst so radikalisiert hat. Da muss man sich vorbereiten. Man muss die eigene Mitmenschlichkeit sich erst einmal austreiben. Kognitiv und emotional verdorren wie eine Feuchtwiese nach sechs Monaten ohne Niederschlag.
Und wenn man innerlich mal so völlig entsaftet ist, dann schleppt man auch seinen von jeglicher Gehirnflüssigkeit befreiten, verschrumpelten Denkapparat hinter her. Und kündigt das mal an. Jahre und Jahrzehnte in Wort und Bild wird das ankündigt, dass man diese menschenfeindliche Scheiße durchführen möchte. Und wenn man dafür Probleme mit der Justiz oder dem Verfassungsschutz bekommt… was sagt man da? Genau, dann nennt man das einen „Anschlag auf die Meinungsfreiheit“.
Wie kann man auch dazu kommen, Menschen, die die Demokratie abschaffen wollen oder die gesellschaftliche Diversität oder schlicht die Meinungsfreiheit das Wort zu verbieten? Völlig verrückte Idee!
Anders gesagt: Mehr Rechte für Minderheiten heißt nicht, dass religiöse oder nationale Faschisten ungestraft auf marginalisiert Gruppen eindreschen können. Das geht nicht in einer wehrhaften Demokratie.
Apropos Demokratie: Man kann sich natürlich auch von Zeiten inspirieren lassen, wo es die noch gar nicht gab, diese Demokratie.
Dafür gab es damals die „Monetarisierung“ schon. Das war nämlich, wenn man die Bilder eines französischen Impressionisten vom jüdischen Nachbarn extrem günstig erwerben konnte. Da wurde der Monet arisiert, ist dann verschwunden und lange nicht mehr aufgetaucht.
Dafür taucht jetzt so manch altes Gerät aus dem letzten langjährigen Anschlagsaustauschprogramm (Fachleute sprechen dabei auch von einem sogenannten „Krieg“) wieder auf. In der Donau etwa erscheinen wegen Niedrigwasser Wracks von Kriegsschiffen.
Und im Nussensee im oberösterreichischen Salzkammergut musste man nicht nur Fische retten, weil der See am Austrocknen ist, sondern man darf sich dort auch über einen Sprengstofffund aus dem Krieg freuen.
Freuen nicht deshalb, weil das gefährliches Zeug ist, sondern weil „Sprengstofffund“ eines der wenigen Worte mit drei F ist. Und da gibt es gar nicht so viele. Vielleicht noch Pufffahrer, Tufffinder, Hafffische oder Kifffreunde.
Persönlich hab ich von den genannten nur mit einem dieser Begriffe bis jetzt direkte Erfahrungen machen dürfen.
Und, nein, der Fahrer war es nicht.
Wie auch immer, der Sprengstofffund ist eine gute Gelegenheit das eigene, geistige Stopppotenzial (Ihr glaubt ja gar nicht wie lange ich nach einem anderen Wort mit drei Konsonanten gesucht habe! Das war echt ein quälendes Quelllektorat.) abzurufen - also mal inne zu halten - und dann zu überlegen, ob das mit den Anschlägen überhaupt eine gute Idee ist.
Weil auf jede gewaltsame Aktion ja immer eine Reaktion folgt und darauf dann wieder eine Reaktionsreaktion. Und dann wieder eine. Und noch eine. Und dann hört es nicht mehr auf.
Weil keiner sich vorstellen kann, wie er da wieder raus kommt. Deshalb greift er einfach wieder zu Gewalt.
Denn Gewalt ist ja bekanntlich die Fantasie der Fantasielosen.
Aber halt: Vielleicht könnte man sich wieder auf die Anschläge auf der Tastatur beschränken? Auf den Austausch von Buchstaben? Worten. Wortgruppen. Vielleicht sogar ganzen Sätzen? Texten?
Die tun maximal im Hirn weh, haben aber noch nie jemanden umgebracht.
Maximal indirekt.
So wie die Hitze.
Anschlagsqualität
9. August 2026Diesmal möchte ich über ein heißes Thema schreiben.
Nein, nicht über die Hitze. Nicht schon wieder. Hab ich schon zweimal gemacht.
Und obendrein machen das gerade alle.
Alle, die in den letzten Jahrzehnten nur über so Zeug aus der Fantasy-Abteilung des Kapitalismus geschrieben haben, also „Wirtschaftswachstum“, „Umfragewerte“, „Zugfahrpläne“ oder gar „Ölpreis“, kurz gesagt lauter Dinge, die nicht wirklich greifbar sind, und dabei die herauf dräuende, ganz reale Klimakrise ignoriert haben, die schreiben jetzt über Hitze. Und was man jetzt dagegen tun könnte?
Spoiler: Jetzt? Gar nichts.
Vor zwanzig, dreissig Jahren hätte man.
Jetzt könnte man dagegen etwas gegen die Hungersnot in dreissig Jahren tun.
Aber dieses langfristige und kausale Denken… das liegt nicht jedem.
Schon gar nicht bei der Hitze.
Denn die ist sehr konkret.
Gut, Hitze kann man jetzt auch nicht konkret anfassen, aber sie ist unmittelbar absolut spürbar. 300 000 sind vor Waldbränden allein in Frankreich auf der Flucht. Zu Recht. Denn Hitze bringt Menschen um.
In Deutschland dieses Jahr bis jetzt mindestens 10 000 Leute.
Das ist etwa die Gesamtbevölkerung von Attnang-Puchheim. Oder alle Menschen, die in Mießbach in Oberbayern wohnen. Oder die gesamte Einwohnerschaft von Gernsheim am Rhein.
Gut, jetzt kann man natürlich sagen: „Was interessieren mich diese Attnangistischen Haimpuchner? Wen kümmert der miese Bach, der miese? Und die können mich gerns haben ihrem Heim!“ Das können sich alle denken. Alle…bis auf die Leute, die da eben wohnen. Die nehmen nämlich so eine letale Auslöschung dann doch recht persönlich.
Überhaupt kann man davon ausgehen, dass Tote grundsätzlich doch lieber noch am Leben wären. Was wiederum ein völlig neues Licht auf sämtliche Zombie-Filme der letzten 100 Jahre wirft. Vielleicht sind diese herum wackelnden, schlecht artikulierenden und stets in Gruppen auftretenden Wiedergänger einfach eine politische Bewegung? Tote, die gegen ihren leblosen Zustand protestieren? Ein radikaler Aufstand von - im Wortsinn - ganz unten?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich hab keine Ahnung.
Aber mit Toten hat mein heißes Thema auch zu tun. Es lautet: Wie macht man eigentlich Anschläge?
Also nicht Anschläge auf der Tastatur.
Denn die heißen heute nicht mehr so. Man sagt jetzt dazu: Zeichen (mit Leerzeichen). Früher lautete die Frage: „Wieviele Anschläge?“. Kann man heute nicht mehr fragen, weil sonst alle glauben, man möchte im Namen der Redaktion terroristische Akte verüben.
Ach so… „Redaktion“ muss ich vielleicht für die jüngeren Leserinnen und Leser erklären. Das ist eine Gruppe von - hoffentlich kompetenten - Medienmenschen, die sich um Inhalt und Korrektheit des Publizierten kümmern.
Korrektheit? Das ist das Gegenteil von Fake News.
Und Inhalt? So hieß früher „Content“. Nur war er länger, interessanter, (manchmal) weniger Effekt haschend und - und das wird jetzt alle Leserinnen und Leser unter dreissig gleich die Tränen in die Augen treiben - er wurde auch bezahlt.
Ja! Wirklich! Es gab also Kohle dafür. Und zwar egal, ob der Inhalt gut war oder schlecht oder wieviele Leute drauf geschaut haben.
Es gab einfach Geld dafür, dass der „freie Mitarbeiter“ (heute: Content-Creator) gearbeitet hatte. Was für eine verrückte Welt das war: Geld für Arbeit!
Wenn das die Halter der modernen digitalen Sklaven hören.
Oder gar die freiwilligen Selbstausbeuter auf den gar nicht sozialen Medien.
Die kennen sowas gar nicht, die müssen heute alles immer nur „monetarisieren“.
Und das heißt nicht, dass sie so malen können müssen wie ein französischer Impressionist.
Nein, denn das macht ja für sie die K.I..
Und K.I. wiederum steht nicht für „kreative Intuition“, sondern für „kaufmännische Invasion“. Also die digitalisierte Attacke des Kapitalismus auf alle Lebensbereiche.
Aber lassen wir das.
Wer will denn das auch Lesen, dieses Geschwafel über „früher“ von einem alten, weißen Mann. „Langweilig!“, gähnen da die Jungen einem entgegen „Opa, erzählt schon wieder vom Frieden!“ Sowas sagen sie. Zu recht. Und ihre Klassenkameradinnen und -kameraden (und das ist hier nicht schulisch, sondern soziologisch gemeint) ergänzen: „Und von gesicherten Arbeitsverhältnissen! Echt boring!“
Deshalb zurück zu den thrilling Thoughts. Zurück zu dem, was uns wirklich kickt, das was Klicks bringt: Wie macht man Anschläge?
Sie häufen sich ja zur Zeit. So sehr, dass es gerade eine gute Gelegenheit ist, sie zu vergleichen.
Gut, natürlich könnte man sich vorher auch fragen, warum überhaupt welche begangen werden?
Aber das ist ja zur Zeit kein großes Problem. Denn so ein Anschlag ist ja eigentlich nur Gewalt. Und Gewaltausübung ist wie Alkoholkonsum: Dafür findet sich immer ein Grund.
Meistens sind es sogar dieselben Gründe: Sexuelle Frustration, Probleme in der Familie, Spaß am eigenen Untergang, Langeweile oder weil die eigene Religionsgemeinschaft, die eigene Nation, in die man per Zufall hinein geboren wurde, der eigene Fussballklub oder eine Stimme in Deinem Kopf, Dir das befohlen hat. Dabei weiß man ja oft nicht, woher die kommen, diese Stimmen.
Manchmal schon. Da kommen die Stimmen aus Kopfhörern. Denn wie sagt der Schüttelreimer?
Ein jeder Kot passt/ heut’ in einen Podcast.
Schließlich wird der Ideologie-Markt gerade überschwemmt von Nobrain-Anbietern in Wort und Bild, die den ungefestigtsten Gemütern unter uns (meist männlich, jung, orientierungslos, intellektualitätsfeindlich, aber gewaltfreundlich) ein Angebot machen, das die zwar ablehnen könnten, es aber nicht so gerne tun.
Kurz gesagt: Also ein fadenscheiniges „Warum“ für einen Anschlag lässt sich so leicht finden, wie Abends um halb acht ein Dosenbier besorgen.
Also wie macht man einen Anschlag? Ganz einfach: man fügt einfach irgendjemandem, den man nicht persönlich kennt, Schmerzen zu. Einfach so, tralalala, weil diesem Unbekannten sein oder ihr Tun oder Sein, nicht ins eigene Weltbild passt.
Denn da hinterfragt man nicht sein Weltbild, ob das vielleicht fehlerhaft ist, nein man möchte jetzt mit Gewalt die Welt ans eigene Bild anpassen.
Das ist also ungefähr so, wie wenn man gerade „Titanic“ auf dem hauseigenen Flatscreen schaut (flat deshalb, weil das das Niveau des Gezeigten beschreibt) also man schaut gerade Leonardo die Caprio zu, wie er im Meer versinkt, und damit das Wohnzimmer dazu passt, setzt man es unter Wasser.
Der Vergleich hinkt natürlich. Nicht nur, weil das ein Anschlag auf die Bausubstanz wäre und bald den Menschen auf den Plan treten lassen würde, der unter einem wohnt, sondern weil es normalerweise schon länger dauert, als nur einen Wasserhahn aufzudrehen. Bis man sich selbst so radikalisiert hat. Da muss man sich vorbereiten. Man muss die eigene Mitmenschlichkeit sich erst einmal austreiben. Kognitiv und emotional verdorren wie eine Feuchtwiese nach sechs Monaten ohne Niederschlag.
Und wenn man innerlich mal so völlig entsaftet ist, dann schleppt man auch seinen von jeglicher Gehirnflüssigkeit befreiten, verschrumpelten Denkapparat hinter her. Und kündigt das mal an. Jahre und Jahrzehnte in Wort und Bild wird das ankündigt, dass man diese menschenfeindliche Scheiße durchführen möchte. Und wenn man dafür Probleme mit der Justiz oder dem Verfassungsschutz bekommt… was sagt man da? Genau, dann nennt man das einen „Anschlag auf die Meinungsfreiheit“.
Wie kann man auch dazu kommen, Menschen, die die Demokratie abschaffen wollen oder die gesellschaftliche Diversität oder schlicht die Meinungsfreiheit das Wort zu verbieten? Völlig verrückte Idee!
Anders gesagt: Mehr Rechte für Minderheiten heißt nicht, dass religiöse oder nationale Faschisten ungestraft auf marginalisiert Gruppen eindreschen können. Das geht nicht in einer wehrhaften Demokratie.
Apropos Demokratie: Man kann sich natürlich auch von Zeiten inspirieren lassen, wo es die noch gar nicht gab, diese Demokratie.
Dafür gab es damals die „Monetarisierung“ schon. Das war nämlich, wenn man die Bilder eines französischen Impressionisten vom jüdischen Nachbarn extrem günstig erwerben konnte. Da wurde der Monet arisiert, ist dann verschwunden und lange nicht mehr aufgetaucht.
Dafür taucht jetzt so manch altes Gerät aus dem letzten langjährigen Anschlagsaustauschprogramm (Fachleute sprechen dabei auch von einem sogenannten „Krieg“) wieder auf. In der Donau etwa erscheinen wegen Niedrigwasser Wracks von Kriegsschiffen.
Und im Nussensee im oberösterreichischen Salzkammergut musste man nicht nur Fische retten, weil der See am Austrocknen ist, sondern man darf sich dort auch über einen Sprengstofffund aus dem Krieg freuen.
Freuen nicht deshalb, weil das gefährliches Zeug ist, sondern weil „Sprengstofffund“ eines der wenigen Worte mit drei F ist. Und da gibt es gar nicht so viele. Vielleicht noch Pufffahrer, Tufffinder, Hafffische oder Kifffreunde.
Persönlich hab ich von den genannten nur mit einem dieser Begriffe bis jetzt direkte Erfahrungen machen dürfen.
Und, nein, der Fahrer war es nicht.
Wie auch immer, der Sprengstofffund ist eine gute Gelegenheit das eigene, geistige Stopppotenzial (Ihr glaubt ja gar nicht wie lange ich nach einem anderen Wort mit drei Konsonanten gesucht habe! Das war echt ein quälendes Quelllektorat.) abzurufen - also mal inne zu halten - und dann zu überlegen, ob das mit den Anschlägen überhaupt eine gute Idee ist.
Weil auf jede gewaltsame Aktion ja immer eine Reaktion folgt und darauf dann wieder eine Reaktionsreaktion. Und dann wieder eine. Und noch eine. Und dann hört es nicht mehr auf.
Weil keiner sich vorstellen kann, wie er da wieder raus kommt. Deshalb greift er einfach wieder zu Gewalt.
Denn Gewalt ist ja bekanntlich die Fantasie der Fantasielosen.
Aber halt: Vielleicht könnte man sich wieder auf die Anschläge auf der Tastatur beschränken? Auf den Austausch von Buchstaben? Worten. Wortgruppen. Vielleicht sogar ganzen Sätzen? Texten?
Die tun maximal im Hirn weh, haben aber noch nie jemanden umgebracht.
Maximal indirekt.
So wie die Hitze.
Hier die jüngsten Ausgaben
Alle Ausgaben
- Anschlagsqualität 09.08.2026
- Heißer Scheiß 29.07.2026
- No Witz in the Hitz 10.07.2026
- Waffen? Ruhe! 11.06.2026
- Auf Weltniveau 4.06.2026
- Nicht in den Sack schießen 14.05.2026
- Das Nullsummenspiel 08.05.2026
- Wahlwitz 25.04.2026
- Bergmann übernehmen Sie! 15.04.2026
- Regime Chchchchchanges 06.04.2026
- Zahl und Fatal 22.03.2026
- Nicht planbar 07.03.2026
- Glosse auf Eis 02.03.2026
- Was ich so in die Weiten sende... 24.02.2026
- Helau? Schau genau! 15.02.2026
- The Joker 08.02.2026
- Adel verdichtet 03.02.2026
- Wunder im Gehörgang 24.01.2026
- Schlechte Welt, schöne Worte 13.01.2026
- Völker der Welt: Schaut auf dieses Recht! 06.01.2026
- Völker der Welt: Schaut auf dieses Recht! 06.01.2026
- Am Ende spricht der Chef 31.12.2025
- Kritik des reinen Chorgesangs 16.12.2025
- Nikoloraturen üben 06.12.2025
- Ganz ehrlich 01.12.2025
- Realität? Schwach. 22.11.2025
- WOFÜR? 16.11.2025
- Es kann doch nicht sein, wie es ist 05.10.2025
- Echtes Entscheidungs-Event 01.11.2025
- Stadtbilder 20.10.2025
- Statt eines Titels: Oktober-Notizen 12.10.2025
- Nononsens! 01.10.2025
- Cancelt is'! 21.09.2025
- Zum Vergessen 19.09.2025
- Freunde der Verfassung 02.09.2025
- Wurm und Weltgeschichte, oder: Plastik for the People 19.08.2025
- Skulpturschutz 11.08.2025
- Bilder einer Einstellung 31.07.2025
- It's my Party 08.07.2025
- Neueste Nachrichten 02.07.2025
- Tage wie dieser andere 05.06.2025
- Schon gehört? 29.05.2025
- Verlorene Liebesmüh' 19.05.2025
- Wenn ich nur aufhören könnte… 12.05.2025
- Das find ich recht extrem 05.05.2025
- Berufswunsch: Brückenbauer 29.04.2025
- Zoll und Haben 14.04.2025
- Von den Sternen bis zur See 31.03.2025
- Frieden ist, wenn es trotzdem kracht 23.03.2025
- Es wird schön gewesen sein 17.03.2025
- An die Amerikaner! 11.03.2025
- Es kommen die Dinge zu Tage 03.03.2025
- Zwanzig-prozentige gute Laune 24.02.2025
- Verhältniswahl 17.02.2025
- Gebt den Bibern das Kommando! 10.02.2025
- Wer hat einen Plan? 03.02.2025
- These Bots are made for talking 27.01.2025
- Es wird geprobt! 20.01.2025
- In aller Undeutlichkeit - ein Erörterbuch 14.01.2025
- Humorlose Herrscher 10.12.2024
- Das ist mir nicht Wurst 01.12.2024
- Ausgerechnet Bananen! 22.11.2024
- Einen Doppelten bitte! 13.11.2024
- Thomas und der Totalitarismus 23.10.2024
- Nobelpreis für unangebrachte Freundlichkeit 13.10.2024
- Opfer der Unschuld 07.10.2024
- Macht was? Macht nix! 30.09.2024
- Es ist mir nicht Wurst 09.09.2024
- Posting-Time-Paradise 30.08.2024
- Nolympia! 12.08.2024
- Feelings, nothing more than feelings 24.07.2024
- Ein großer Spaß! 02.06.2024
- Natürlich! 20.06.2024
- Spätlese mit Cocktailsauce 28.05.2024
- Euphorie und Europhobie 05.05.2024
- Mehr Paranoia als die Polizei erlaubt 29.04.2024
- PSSST! Nicht verraten! 24.04.2024
- Gleich und Gleich gesellt sich gern 16.04.2024
- Diesen Newsletter gibt es nicht 25.03.2024
- Wladimir, der Putzige 19.02.2024
- Was fehlt. Fehlt was? 11.03.2024
- Böses Wort zum guten Zeitpunkt 05.03.2024
- Immer schon! 26.02.2024
- Die Mauerbauerdauer 17.02.2024
- Natur, die Wissen schaft 12.02.2024
- Weil es wichtig ist 05.02.2024
- Schatz, es ist nur das, wonach es aussieht 27.01.2024
- Der Lohn der Tradition 20.01.2024
- Unendliche Liebe 13.01.2024
- Unvorstellbares 06.01.2024
- Simply the Best 31.12.2023
- Weihnachten vs. Satire 1:0 24.12.2023
- Weihnachtsüberraschung 19.12.2023
- Was du nicht sagst 09.12.2023
- Gedanken eines lesenden Weihnachtsmarktteilnehmers 06.12.2023
- Wir sind Sissy, was bist Du? 28.11.2023
- Dance the Kompetenz-Dance 20.11.2023
- Groebners Newsletter für November, Dezember und den Restherbst 16.11.2023
- Wer immer schuld ist… und wer nicht. 07.11.2023
- Halloween global 30.10.2023
- Nur nicht aufgeben 23.10.2023
- Der freundliche Mensch von nebenan 16.10.2023
- Identitäterätität! 09.10.2023
- Wo kommen diese Stimmen her? 29.09.2023
- Künstliches Klima und natürliche Vorhersagen 24.09.2023
- Einsilbig nach Österreich 20.09.2023
- Wer soll das machen? 16.09.2023
- Es ist nicht so wie man denkt! Nein! 09.09.2023
- Das Schweigen der Gelder 06.08.2023
- Wo gehört man hin, wo kommt man her? 02.08.2023
- Das Tier in dir und mir 23.07.2023
- Ist das noch normal? 16.07.2023
- Vom Amts wegen 08.07.2023
- Vom Anfangen und Enden 04.07.2023
- Sag zum Abschied leise... 23.06.2023
- Das ist nicht Rock'n'Roll 16.06.2023
- Technische Unschuldsverkündung 09.06.2023
- What's Tina got to do with it? 02.06.2023
- Nicht weitersagen 26.05.2023
- Hier spricht der Fürer 19.05.2023
- Der Gipfel der Ermüdung 12.05.2023
- Besser als 05.05.2023
- Tu felix austria scribe 28.04.2023
- Medienlandschaftspflege 21.04.2023
- Die Maschine und wir 15.04.2023
- Grundsicherung Grillparzer! 07.04.2023
- Vorwärts! 31.03.2023
- Griff ins Klo 24.03.2023
- Bewegung auf der Stelle 10.03.2023
- Die gar nicht so geheime Weltregierung 24.02.2023
- Neutralisierungen 24.02.2023
- Ski Unheil 17.02.2023
- Der Kommerziar geht um 10.02.2023
- Die Geschichte der Welt nach G. Waldhäusl 03.02.2023
- Wahlberichtigungserstattung 27.01.2023
- Das Leben danach 20.01.2023
- Daham bleibt daham 13.01.2023
-
Das Leiwandste 06.01.2023
-
Was wird das Jahr bringen 30.12.2022
- Gaben, die von Herzen kommen 23.12.2022
- Keep Smiling 16.12.2022
- Adel verdichtet 09.12.2022
- Mein Helpdesk 02.12.2022
- Habt Acht! 25.11.2022
- Über Flüssigkeiten 18.11.2022
- Transparenz 11.11.2022
- Es wird heller, doch nicht ganz 4.11.2022
-
Platz da! 28.10.2022
- Nach dem Licht 21.10.2022
- Dumme Schärfe 14.10.2022
- Quanten und Qual 07.10.2022
- Der Erklär-Wer 30.09.2022
- Mars macht mobil 23.09.2022
- Kultur, porentief rein 16.09.2022
- Sad Britain 9.09.2022
- Random Russia 2.09.2022
- Real Austria 26.08.2022
- Wer aller Bundespräsident/in werden will 19.08.2022
- Liebe ohne Ablaufdatum 12.08.2022
- Läuft wie geschmiert 05.08.2022
- Gelderschöpfung 29.7.2022
- Kuwait und breit 22.7.2022
- Die Unsersten 15.7.2022
- Wir leben in den 90ern 08.7.2022
- Schön sprechen 01.7.2022
- Die Lebenswerte 17.6.2022
- Wie bitte? 17.6.2022
-
Mephisto, Redl und die österreichische Seele 10.6.2022
- Türkische Truthähne, ungarische Unnachgiebigkeit 03.6.2022
- Wie dieser Text entsteht 27.5.2022
- Mei potschertes Leben 20.5.2022
- Was das Volk begehrt 13.5.2022
- Die Logik des Krieges 06.5.2022
- Hauptsache weg 15.4.2022
- Wer hat sich denn was dabei gedacht? 29.4.2022
- Immer diese Familie 08.4.2022
- Ach, wie praktisch 01.4.2022
- Die Verfassung des Landes 25.3.2022
- Der Stoff aus dem die Träume sind 18.3.2022
- Die Traurigste der traurigen 11.3.2022
- Putin verstehen 4.3.2022
- Kann man sich nicht ausdenken 25.2.2022
- Systemrelevant 18.2.2022
- Artensterben in der Politik 11.2.2022
- Was wir denken 28.01. 2022
- Wahrheit für alle! 21.01.2022
- Völlig unpolitisch! 14.01. 2022
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Lost & Found 07.01. 2022
- 2021, Du musst jetzt gehen 17.12. 2021
- Ein schlechter Ruf zu verlieren 10.12. 2021
- The real thing 03.12. 2021
- Wer wird denn so impfpfindlich sein? 26.11. 2021
- Draußen vor der Tür 20.11. 2021
- Aus dem Meer ins Herz 12.11. 2021
- Happycalypse 05.11. 2021
- Jung sein ist auch nicht nur schön 29.10. 2021
- Wo-samma-daham-Tag 22.10. 2021
- Demokratie fürs Smartphone? 15.10. 2021
- Morgen? Rot 01.10. 2021
- Wahlfanggebot 24.09.2021
- Es ist ein harter Job, aber einer muss ihn machen 17.09. 2021
- Immer wieder, immer wieder ... 13.09. 2021
- Psychisch radikalisiert und politisch krank 03.09.2021
- Wiederholungstäter 27.08. 2021
- Das Leben der Anderen 20.08.2021
- Net so genau 13.08. 2021
- Weltunkultur 06.08. 2021
- Sag zum Abschied leise "Hallo!" 30.07. 2021
- Auto-kratie 23.07. 2021
- Doctor Joy und Mister Dosko 16.07. 2021
- Wenn ich das gemacht habe, dann ... 09.07. 2021
- Generation "Gefällt mir nicht" 25.06. 2021
- Wie früher 18.06.2021
- Fussballistik 11.06.2021
- Weltmacht im Verborgenen 28.05 2021
- Die weiße Eminenz 21.05.2021
- Immunität und Allergie 14.05.2021
- Tag der Meinungsbefreiung 08.05.2021
- Krakau ist überall 16.04.2021
- Neue Worte in alten Schläuchen 09.04.2021
- Vor dem Hahnenschrei 02.04.2021
- "Homs scho an Neistort gmacht?" 26.03.2021
- Freud und Leut' 19.03.2021
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I am not from Austria 12.03.2021
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Les Histoires d'amour... 05.03.2021
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Kurz angedacht 26.02.2021
- Willi für alle! 19.02. 2021
- Commedia de la moneta 12.02. 2021
- Molloch vs. Molkerei 05.02. 2021
- Weg von den Grünen 29.01. 2021
- Ich bin's, Dein Bürgermeister 22.01. 2021
- Gut dossiert 15.01. 2021
- Das Auge Gottes 08.01. 2021
- Das Jahr in 51 Stichworten 01.01. 2021



